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Zentrataufnahme pro Stunde

Definition

Die Zentrataufnahme pro Stunde gibt an, wie viel Ablaufwasser — in der Fachsprache Zentrat genannt — aus einer Entwässerungsanlage pro Stunde abgeführt werden kann, ohne dass das aufnehmende System überlastet wird. Angabe in m³/h. Bei Kammerfilterpressen und Siebbandpressen heißt dieselbe Größe Filtrat.

Warum taucht das im Leistungsverzeichnis auf?

Bei der mechanischen Entwässerung entsteht nicht hauptsächlich ein fester Kuchen — der weitaus größere Teil des Eingangsvolumens verlässt die Maschine als Ablaufwasser. Warum? Weil Nassschlamm zum größten Teil aus Wasser besteht: Ein typischer Klärschlamm oder Industrieschlamm enthält nur 2–5 % Feststoffe (Trockenrückstand, kurz TR) — der Rest ist Wasser. Dieses Wasser muss irgendwo hin.

Faustregel: Bei einem Eingangs-TR von 3 % und einem Endprodukt von 25 % TR verlassen rund 88 % des Eingangsvolumens die Maschine als Zentrat. Aus 10 m³/h Nassschlamm werden also etwa 8,8 m³/h Ablaufwasser — und nur 1,2 m³/h fester Kuchen.

Wer die Zentrataufnahmekapazität nicht im Leistungsverzeichnis benennt, überlässt dem Dienstleister die Entscheidung, wohin das Wasser fließt — mit möglichen Folgekosten oder behördlichen Auflagen.

Was passiert mit dem Zentrat — je nach Situation

Die Anforderungen unterscheiden sich stark je nach Kontext:

Stationäre Kläranlage: Das Zentrat fließt in der Regel in den Zulauf zurück. Dabei sind zwei Risiken zu beachten: Erstens können erhöhte Stickstoff- und CSB-Frachten im Rücklauf die Biologie und die Phosphorfällung belasten. Zweitens entstehen bei diskontinuierlichem Zentrifugenbetrieb — wenn die Maschine stoßweise läuft — kurzzeitige Spitzenbelastungen, die kritischer sein können als ein gleichmäßig erhöhter Durchschnittswert. Ein weiterer Aspekt: Bei Überdosierung von Flockungsmittel (Polymer) kann Polymer ins Zentrat verschleppt werden und die Flockenstruktur im Belebungsbecken stören.

Klärteich-Entschlammung (mobil): Klärteichwasser nach der Entschlammung wird als Überstandswasser bezeichnet — es ist nicht identisch mit Zentrat aus der Zentrifuge, enthält aber ebenfalls Feinpartikel und Nährstoffe. Eine Einleitung in einen Vorfluter (Graben, Bach, Fluss) ist genehmigungspflichtig und an Einleitgrenzwerte geknüpft (§ 8 WHG, AbwV Anhang 1). Alternativ kann das Wasser in die Kanalisation eingeleitet oder in einem Zwischenbehälter gesammelt werden — was vorab mit der unteren Wasserbehörde und dem Netzbetreiber abzustimmen ist.

Industrieanlage (mobil): Bei Schlämmen aus der Metallverarbeitung, Lackierung oder Lebensmittelproduktion muss das Zentrat häufig separat gesammelt und entsorgt werden — eine direkte Einleitung ist oft nicht möglich. Abhängig von der Schadstoffbelastung des Schlamms können für das Zentrat Abwasserabgaben anfallen oder eine Entsorgung über zugelassene Fachbetriebe nötig sein. Diese Anforderungen gehören klar ins Leistungsverzeichnis — sonst entstehen unkalkulierbare Kosten.

Berechnung der anfallenden Zentratmenge

Für eine Abschätzung genügt folgende Näherungsformel (Feststoffverlust ins Zentrat vernachlässigt):

Q_Zentrat ≈ Q_ein × (1 − TR_ein / TR_kuchen)

Beispiel: Q_ein = 10 m³/h, TR_ein = 3 %, TR_kuchen = 25 %:

Q_Zentrat ≈ 10 × (1 − 3/25) = 8,8 m³/h

Für eine exakte Bilanzierung werden Feststoffkonzentrationen im Zentrat (Trübung) gesondert gemessen.

Abgrenzung: Zentrat, Filtrat, Überstandswasser

Dekanter / Zentrifuge: Zentrat

Kammerfilterpresse: Filtrat

Siebbandpresse: Filtrat

Klärteich nach Entschlammung: Überstandswasser / Ablaufwasser

Inhaltlich beschreiben alle diese Begriffe das Wasser, das bei der Feststoff-Flüssigkeits-Trennung abgeführt wird — mit unterschiedlicher Zusammensetzung je nach Schlammart und Verfahren.