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Sandfanggut

Definition

Sandfanggut ist das im Sandfang einer Kläranlage abgeschiedene mineralische Sediment, das überwiegend aus Sand, Kies und anorganischen Feinstoffen besteht. Es enthält jedoch auch organische Anteile, die für den Entsorgungsweg und die Entsorgungskosten entscheidend sind.

Entstehung

Im Sandfang — einer der ersten Behandlungsstufen hinter dem Einlaufbauwerk — wird die Fließgeschwindigkeit des Rohabwassers gezielt auf ca. 0,3 m/s abgesenkt. Bei dieser Geschwindigkeit sinken schwere Mineralien ab, während leichtere organische Partikel in der Schwebe bleiben und weiter in die biologische Behandlung strömen.

Bei belüfteten Sandfängen wird durch eingeblasene Luft zusätzlich eine Walkbewegung erzeugt, die organische Anteile von den Sandkörnern ablöst und die Trennung verbessert.

Das abgeschiedene Material wird in regelmäßigen Abständen — in der Regel täglich oder wöchentlich — mit einer Sandfangräumpumpe oder einem Saugbagger abgezogen und über eine Sandwäsche geleitet.

Sandwäsche: Warum und wann

Frisches Sandfanggut enthält typischerweise 15–30 % organische Anteile (bezogen auf die Trockenmasse, gemessen als Glühverlust). Dieser Wert bestimmt, wie das Material entsorgt werden darf:

Organischer Anteil (GV): 5 % Abfall zur Beseitigung (Deponie oder MVA)

Organischer Anteil (GV): < 3 % Kann ggf. als Recyclingsand oder Baustoff verwertet werden

Eine Sandwäsche (maschinell oder in einer stationären Sandwaschanlage) trennt die anhaftenden organischen Anteile durch Wasserspülung heraus und senkt den GV-Wert auf < 3 %. Gewaschen und abgepresst liegt der Trockensubstanzgehalt bei ca. 85–95 %.

Kennwerte

  • Anfallmenge (kommunal): ca. 2–15 Liter pro Einwohnerwert (EW) und Jahr
  • Rohdichte: ca. 1,4–1,8 kg/dm³ (deutlich schwerer als Klärschlamm)
  • Glühverlust (ungewaschen): 15–30 % GV
  • Glühverlust (gewaschen): < 3 % GV
  • Abfallschlüssel (AVV): 19 08 02 — Sandfangrückstände

Sandfanggut ist aufgrund seiner Abrasivität ein erheblicher Verschleißfaktor für Pumpen, Rohrleitungen und Schnecken — dieser Umstand ist bei der Ausschreibung von Pumpen oder Förderanlagen im LV zu berücksichtigen.

Bedeutung für das Leistungsverzeichnis

Im Leistungsverzeichnis für Instandhaltungs- oder Sanierungsmaßnahmen an der Kläranlage erscheint Sandfanggut vor allem in folgenden Zusammenhängen:

Reinigung des Sandfangs:
Beschreibung des Abziehvorgangs, der Häufigkeit und des Mengenansatzes (m³ oder Mg je Reinigung)

Sandwäsche:
Lieferung und Betrieb einer Waschanlage als Teil der Leistung oder als eigenständige Position

Abtransport und Entsorgung:
Einheitspreis in €/Mg, mit Angabe des Entsorgungswegs (Deponie, Recycling)

Abrasionsschutz:
Bei Ausschreibung von Förderpumpen oder Transportleitungen ist anzugeben, ob das geförderte Medium Sandfanggut enthält

Der Nachweis der ordnungsgemäßen Entsorgung (Wiegenachweis, Entsorgungsbeleg nach KrWG) ist Bestandteil der Dokumentationspflichten und sollte als Abrechnungsnachweis im LV verankert sein.

<strong>Abgrenzung: Sandfanggut vs. Klärschlamm</strong>

Sandfanggut und Klärschlamm sind völlig verschiedene Materialien, die getrennt ausgeschrieben, gehandhabt und entsorgt werden.