Feststofffracht
Definition
Die Feststofffracht bezeichnet die Masse an Trockensubstanz (TS), die pro Zeiteinheit durch eine Entwässerungsanlage gefördert wird — angegeben in kg TS/h. Sie ergibt sich aus Schlammmenge und TS-Gehalt und ist die maßgebliche Bemessungsgröße für Entwässerungsaggregate und Polymerdosierung.
Formel:
Feststofffracht [kg TS/h] = Durchsatzmenge [m³/h] × Feststoffkonzentration [kg TS/m³]
Warum taucht das im Leistungsverzeichnis auf?
Im Leistungsverzeichnis (LV) für ein Entwässerungsprojekt müssen die Rahmenbedingungen der Entwässerungsaufgabe beschrieben sein — damit Dienstleister ein belastbares Angebot abgeben und die richtige Ausrüstung einplanen können.
Die Feststofffracht ist dabei die entscheidende Größe: Sie sagt dem Dienstleister, wie viel Trockenmasse pro Stunde durch seine Maschine muss — und damit, wie lange das Projekt dauert, welcher Polymereinsatz nötig ist und welche Maschinenleistung benötigt wird. Ein LV, das nur das Nassvolumen (m³) nennt, aber nichts über den TS-Gehalt aussagt, lässt erheblichen Preisspielraum — zum Nachteil des Auftraggebers.
Wenn der Dienstleister nach dem TS-Gehalt Ihres Schlamms fragt, will er genau diese Zahl ermitteln. Liegt keine Schlammanalyse vor, muss er einen Aufschlag für die Unsicherheit einkalkulieren. Für Klärteich-Betreiber gilt: Die Feststofffracht bestimmt, wie lange eine mobile Entwässerungsanlage auf dem Gelände stehen muss — ein dichter Schlamm bedeutet mehr Trockenmasse pro Stunde und damit eine kürzere Projektlaufzeit.
Berechnungsbeispiel
Ein Klärteich enthält Schlamm mit einem TR-Gehalt von 2 % (= 20 kg TS/m³). Die mobile Entwässerungsanlage verarbeitet 10 m³/h:
Feststofffracht = 10 m³/h × 20 kg TS/m³ = 200 kg TS/h
TS steht für Trockensubstanz (auch: Trockenrückstand, TR) — der Anteil des Schlamms, der nach vollständiger Trocknung übrig bleibt. Mg TS bedeutet Megagramm Trockensubstanz (= 1.000 kg = 1 Tonne Trockenmasse).
Bedeutung für Auslegung und Betrieb
Nicht das Nassvolumen, sondern die Feststofffracht ist die Kenngröße, nach der Entwässerungsanlagen ausgelegt und bewertet werden:
Maschinengröße: Zu hohe Feststofffracht überlastet die Anlage, führt zu schlechterem Entwässerungsergebnis und erhöhtem Polymerverbrauch.
Polymerdosierung: Polymerpumpen werden auf die Feststofffracht ausgelegt — der Verbrauch wird in kg Polymer / Mg TS angegeben, nicht in Liter pro Stunde.
Betriebsüberwachung: Schwankende Feststofffracht (z. B. saisonal oder nach Regenereignissen) erfordert Pufferbehälter oder eine variable Maschinensteuerung.
Abgrenzung zur Durchsatzmenge
Durchsatzmenge Q
Einheit: m³/h
Beschreibt das Nassvolumen pro Zeiteinheit
Feststofffracht
Einheit: kg TS/h
Beschreibt die Trockenmasse pro Zeiteinheit
Beide Größen hängen zusammen, sind aber nicht austauschbar: Zwei Schlämme mit identischem Nassvolumen können stark unterschiedliche Feststofffrachten haben, wenn ihr TS-Gehalt verschieden ist. Für die Kalkulation eines Entsorgungsprojekts ist die Feststofffracht die belastbarere Kennzahl.
Regulatorischer Kontext
Bei der Entsorgung von Klärschlamm nach Klärschlammverordnung (AbfKlärV) und bei der Verbringung auf landwirtschaftliche Flächen nach Düngeverordnung (DüMV) müssen die erzeugten Schlamm- und Feststoffmengen dokumentiert werden. Die Feststofffracht ist dabei die Basis für die Mengenerfassung in Mg TS — dem maßgeblichen Wert für Entsorgungsnachweise und -bilanzen.